Warum nicht hassen auch falsch sein kann

Ich weiß ,ich weiß … In der Internetblase immer alles happy-go-lucky ist und man sich ganz oft fragt man sich doch auch: Meinen Leute das wirklich ernst, wenn sie so Phrasen schreiben wie “Ich habe das Wort hassen aus meinem Wortschatz entfernt”.

Ja, einerseits kann das ja ganz hilfreich sein, für sich selbst zu sagen, dass man niemanden hassen möchte. Hass kann einen runterziehen und warum sollte ich negative Gefühle für Menschen zulassen, die ich nicht kenne? Die ich vielleicht nie in meinem Leben sehen werde? Das erachte ich persönlich auch als sehr sinnvoll. Du kannst nicht alle lieben und du wirst auch nie von allen geliebt. Irgendwer findet dich immer scheiße und dich deinen Hatern anzubiedern ist oft vergebene Liebesmüh.

 Aber so ganz jede negative Emotion als Konsument von Social Media fernzuhalten finde ich auch nicht richtig. Fakt ist eh, dass Social Media nie die Realität abbildet. Es ist immer selektiv, wir wählen schließlich aus, was iwr hochladen und das kann sehr realistisch, aber auch eben ganz schön Fake sein. Wir entscheiden. Erst jüngst habe ich eine App gefunden, mit der ich mich auf Größe 36 schummeln konnte bei ca. 1,80 m Körpergröße. Und ich habe überlegt, ob ich nicht einfach mal diverse Bildschirmaufnahmen auf Instagram poste und zeige, wie krass man bei Instagram faken kann, wenn man den richtigen Hintergrund nutzt und dann einfach mal von Moppel zu Model machen kann.

Ich habe ja mein kleines Mantra “Ehrlichkeit obsiegt!”. Ja, heutzutage kann die Wahrheit wehtun, sie ist manchmal ziemlich unbequem, aber auch befreien. Ich bin wirklich der Meinung, dass Emotionen, die ausgelebt werden, auch sehr heilsam sein können für einen selbst. Es ist wie Lachen. Spannung hat sich aufgebaut und die muss irgendwo raus. Man kann natürlich auch einen Putzanfall bekommen oder gegen Wände schlagen, bis die Hand blutig ist, aber irgendwie trifft das nicht die Wurzel des Problems. Du kannst halt einfach wütend und traurig und frustriert sein, wenn deine Fußballmannschaft - oder wofür auch immer du brennst -verloren hat. Es kann kreativ anregend sein oder sogar befreien. Wer die Gründe für seine Wut kennt, kennt sich dann auch selbst ein Stück weit besser. Und wer weiß? Wenn dich Social Media permanent wütend macht, ist das vielleicht ein Zeichen, dass du einfach mal eine Zeit lang das analoge Leben auskosten solltest.